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Sonntag, 13. Oktober 2013

Furcht hat mir viel geholfen

Wenn Mut der Ausweg ist... Foto: Janusz Klosowski/Pixelio

Furcht hat mir viel geholfen, bloße Furcht
vor Folgen, die ich nicht ertragen hätte,
die weiße Angst vor Aussatz und Gebrest.

Und jene andre Furcht, die Furcht vor Furcht,
die Angst vor Angst, die dich an keiner Stätte
verweilen und nur - Mut als Ausweg lässt.


Christian Morgenstern


Dienstag, 1. Oktober 2013

Realkrimi in China: Verfolgte Herzen

Buchcover "Verfolgte Herzen" - ein Realkrimi. Detlef Alsbach, VVB Laufersweiler Verlag
Eiseskälte überfährt mich, greift nach meinem Herzen. Und es bleibt die Frage: War das jetzt ein guter Krimi? Oder doch eher geschmacklos, sadistisch und völlig daneben? Kann das wahr sein, denn der Autor, Detlef Alsbach, nennt sein Buch „Real-Krimi", oder darf es gar nicht wahr sein, weil diese „Wahrheit" so unerträglich ist? Ein bisschen Recherche hilft da sicher weiter.

Recherche! Genau das ist es, was den Erfolg dieses Buches ausmacht. Der Leser wird mit der unsäglichen Situation der Menschen in China konfrontiert, einem Leben und Denken, so vergiftet und korrupt, wie wir es uns im Westen gar nicht vorstellen können, und so gleichgültig und brutal gegenüber dem Einzelnen, dem Leben und der persönlichen Würde, dass auch ein Vergleich mit unserem Mittelalter hinkt - und zwar auf beiden Füßen.

Das Buch reißt einen aus den „Alle-Menschen-sind-gleich"-Träumereien der westlichen Demokratien und zeigt auf, dass unser Vorstellungsvermögen, wenn es um China geht, bisher nicht ausreicht. Vielleicht ist auch das einer der Gründe, warum man, zumindest in Deutschland, bisher nur so wenig über jenes China liest, in dem ein Milliardenvolk durch Angst seit Jahrzehnten umerzogen wird zu Denunzianten, zu Wegsehern und Ja-Sagern. Von Kind an vergiftet durch Parolen der KP und durch die Angst der Eltern, ja nicht abzuweichen oder aufzufallen, werden diese Opfer dann zu Tätern ohne eine Chance auf eigenes Denken und Handeln je gehabt zu haben. Ein perfides perverses System, für das der Begriff „Menschenrechte" nur eine Idiotie des Westens ist, da „Rechte" nur der hat, der sie durchsetzen kann und „Menschen" nur ein Begriff ist für das Eigentum der Partei, lebendiges Fleisch, das je nach Bedarf eingesetzt werden kann zum finanziellen Gewinn von Partei-Mitgliedern oder für perversen Lustgewinn. Unvorstellbar für uns, oder? Das sprengt die Grenzen unseres humanistisch geprägten Verstands!

Samstag, 16. Februar 2013

Das Dilemma vom Sterben lassen

„Sterben lassen. Über Entscheidungen am Ende des Lebens“ Ralf J. Jox; Edition Körber Stiftung, 268 Seiten, Oktober 2011; ISBN: 978-3896840875
Berührt - und zwar äußerst unangenehm berührt - ist jeder Mensch, der mit dieser Frage konfrontiert ist. Es trifft jeden. Ob es um den eigenen Tod oder der von lieben oder eher schwierigen Angehörigen und Freunden geht, irgendwann ist jeder dran mit diesem so ur-menschlichen Thema, dem Sterben. Dann ist es gut, wenn man vorbereitet ist. 

Dank der modernen Medizin sterben in den industrialisierten Ländern zwei Drittel aller Menschen nicht mehr unerwartet, sondern absehbar und oft palliativ unter ärztlicher Begleitung. Oft sind Ärzte und Angehörige gefordert für einen Sterbenden zu entscheiden, ob weitere Maßnahmen noch sinnvoll sind oder das Leiden nur verlängern. Dann steht die Frage nach der Würde im Raum und nach der rechtlichen und moralischen Verantwortung und wie man als Angehöriger, als Arzt oder als Pflegepersonal mit der Entscheidung offen und gewissenhaft umgehen kann. Ob Therapiebegrenzung oder Ausschöpfung aller Möglichkeiten - die Entscheidung muss respektvollen und würdevollen Umgang aller Beteiligten miteinander ermöglichen.