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Dienstag, 1. Oktober 2013

Realkrimi in China: Verfolgte Herzen

Buchcover "Verfolgte Herzen" - ein Realkrimi. Detlef Alsbach, VVB Laufersweiler Verlag
Eiseskälte überfährt mich, greift nach meinem Herzen. Und es bleibt die Frage: War das jetzt ein guter Krimi? Oder doch eher geschmacklos, sadistisch und völlig daneben? Kann das wahr sein, denn der Autor, Detlef Alsbach, nennt sein Buch „Real-Krimi", oder darf es gar nicht wahr sein, weil diese „Wahrheit" so unerträglich ist? Ein bisschen Recherche hilft da sicher weiter.

Recherche! Genau das ist es, was den Erfolg dieses Buches ausmacht. Der Leser wird mit der unsäglichen Situation der Menschen in China konfrontiert, einem Leben und Denken, so vergiftet und korrupt, wie wir es uns im Westen gar nicht vorstellen können, und so gleichgültig und brutal gegenüber dem Einzelnen, dem Leben und der persönlichen Würde, dass auch ein Vergleich mit unserem Mittelalter hinkt - und zwar auf beiden Füßen.

Das Buch reißt einen aus den „Alle-Menschen-sind-gleich"-Träumereien der westlichen Demokratien und zeigt auf, dass unser Vorstellungsvermögen, wenn es um China geht, bisher nicht ausreicht. Vielleicht ist auch das einer der Gründe, warum man, zumindest in Deutschland, bisher nur so wenig über jenes China liest, in dem ein Milliardenvolk durch Angst seit Jahrzehnten umerzogen wird zu Denunzianten, zu Wegsehern und Ja-Sagern. Von Kind an vergiftet durch Parolen der KP und durch die Angst der Eltern, ja nicht abzuweichen oder aufzufallen, werden diese Opfer dann zu Tätern ohne eine Chance auf eigenes Denken und Handeln je gehabt zu haben. Ein perfides perverses System, für das der Begriff „Menschenrechte" nur eine Idiotie des Westens ist, da „Rechte" nur der hat, der sie durchsetzen kann und „Menschen" nur ein Begriff ist für das Eigentum der Partei, lebendiges Fleisch, das je nach Bedarf eingesetzt werden kann zum finanziellen Gewinn von Partei-Mitgliedern oder für perversen Lustgewinn. Unvorstellbar für uns, oder? Das sprengt die Grenzen unseres humanistisch geprägten Verstands!

Mittwoch, 28. November 2012

Schöner sterbein im TV

Fund einer TV-Leiche. Foto: CFalk/Pixelio
„Wer im amerikanischen Fernsehen stirbt, ist schöner tot", sagt Tina Weber. Den Satz kann die Soziologin belegen. Weber untersuchte 13 amerikanische Fernsehserien - von „Six Feet Under", über „CSI Las Vegas" und „Dead like me" bis hin zu „Dexter". Und fand meistens zum Sterben schöne Leichen: jung, athletisch, gut aussehend. 

Alle diese TV-Serien wurden in den letzten 12 Jahren produziert und laufen ausnahmslos zur besten Sendezeit. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die amerikanische Fernsehlandschaft in den USA regelrecht mit TV-Serien, die den Umgang mit dem toten Körper in der Gerichtsmedizin oder im Bestattungsinstitut zeigen, überschwemmt. Tina Weber, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der TU Berlin, analysierte die Serien innerhalb des Forschungsprojektes „Tod und toter Körper". Gab es in den 1990er-Jahren nur eine Krimi-Serie, in der die Leiche über den Tatort hinaus eine Rolle spielte, Tote aber dennoch niemals gezeigt wurden, wird die Leiche in den neuen US-Serien zu einem zentralen Element im Plot und - sie ist nun auch zu sehen. Doch wie wird sie gezeigt, fragte Tina Weber, und was wird nicht gezeigt und warum.